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Theorielastiger Unterricht, lange Arbeitstage und wenig Freizeit – im besten Fall hat diese Aussage jeder zumindest einmal von einem angehenden Studenten zu Ohren bekommen. So negativ das ganze auch klingen mag, starten dennoch jedes Jahr viele Interessierte ihr Studium, so auch bei der Wirtschaftsfachschule Fachrichtung Tourismus. Gerade zu Beginn sollten sich aber jene wundern, dass diese Vorurteile keineswegs zutreffen, denn praxisnaher Unterricht und Besuche anerkannter Tourismusbetriebe sind bei uns keine Seltenheit!

2019 06 25 Flusskreuzfahrt

Am Mittwoch, den 22. Mai 2019, besuchte uns daher Herr Heimerl, Verkaufsleiter Deutschland von Amadeus Flusskreuzfahrten, im Unterrichtsfach Veranstaltermanagement bei Frau Mehl. Neben seinem persönlichen Werdegang und zahlreichen Tipps, die er uns mit auf den Weg gab, hatten wir auch die einmalige Möglichkeit Fragen zu stellen und Antworten aus erster Hand zu erhalten.

Wie bei vielen begann die Karriere in der Tourismusbranche eher zufällig. Herr Heimerl machte sein Abitur, ging danach für ein Jahr zum Wehrdienst (heute: Bundesfreiwilligendienst / FSJ), sein berufliches Ziel war damals die Arbeit beim Auswärtigen Amt im Dienste des Staates.

Da es aber selten so kommt, wie man es sich erhofft und er die Aufnahmeprüfung laut eigener Aussage „vergeigte“, begann für ihn im Folgejahr vorerst ein Studium mit Sprachenschwerpunkt: Chinesisch. Auf die Frage, ob er die Sprache auch heute noch beherrscht schmunzelte er und verneinte. Für ihn war es lediglich ein Studium um Zeit zu gewinnen, seiner beruflichen Planung bewusst zu werden.

Per Zufall erhielt er durch das Arbeitsamt eine Ausbildungsstelle in einem Reisebüro und entdeckte was er wirklich liebte: die Tourismusbranche. Er begann 1998 seine Ausbildung in einem Reisebüro und absolvierte anschließend an einer Fachhochschule in Wilhelmshaven den Studiengang Tourismuswirtschaft mit dem Schwerpunkt Veranstaltermanagement mit dem Abschluss Diplom-Kaufmann, welche heute am ehesten dem Bachelorabschluss entspricht.

Q: Ist ein Studium zwingend notwendig, um im Tourismus Fuß zu fassen?

A: Im Grunde genommen ja. Oftmals passen Theorie und Praxis zwar nicht ganz zusammen und man hat keinen direkten Bezug zueinander, das hängt oftmals aber auch damit zusammen, ob man in kleinen oder großen und etablierten Betrieben arbeitet. Erstere fordern einen komplett und das kann verdammt viel Spaß machen, wohingegen große Betriebe feste Arbeitsabläufe vorschreiben. Neben all dem kann das Studium aber vor allem eines: Türen öffnen.

Q: Wie oft verreisen Sie im Jahr?

A: Das kommt immer ein bisschen darauf an, wie man Reisen formuliert. Im Grunde reise ich drei Tage pro Woche. Als ich beim Reiseveranstalter ETI im Außendienst tätig war, war ich in etwa alle 6 bis 8 Wochen in Ägypten, für Meetings mit der dort ansässigen Geschäftsführung oder mit unseren Reisebüropartnern zu Hotelbesichtigungen.

Q: Kommt die Freizeit dabei nicht zu kurz?

A: Manchmal ja, aber man wird oft entschädigt durch die vielen tollen Eindrücke! Man darf die Arbeit nicht immer als Arbeit mit leicht negativem Touch sehen. So wie Konfuzius sagte: „Wenn du liebst, was du tust, arbeitest du nie wieder im Leben“

Q: Wieso sieht man eigentlich nur recht erfahrene Berufstätige im Außendienst?

A: Das ist so eigentlich nicht der Fall. Je nach Unternehmen und Produkt ist das sehr unterschiedlich. Oftmals arbeiten auch junge Kollegen im Außendienst, da auch das Produkt, welches repräsentiert wird, jung und frisch ist. Dennoch ist Erfahrung unabdingbar. Ohne eine touristische Ausbildung im Hintergrund würde ich keinen Außendienstler einstellen, denn er muss auch glaubhaft vermitteln können, was er präsentiert.

Q: Was ist das schwierigste in ihrem bisherigen Werdegang gewesen?

A: Gar nicht einfach zu beantworten. Jede Aufgabe hat seine eigene Problematik. Was ich aber festgestellt habe ist, dass man ein wenig Mut und Flexibilität braucht, um sich neuen Herausforderungen erfolgreich stellen zu können. Auch weil der Markt in einem ständigen Wandel ist.

Q: Ihre bisher unangenehmste Situation?

A: Ich würde sagen, dass war als man mich auf meine erste Flusskreuzfahrt geschickt hat, wo der Altersdurchschnitt weit über meinem lag. Damals habe ich bei Viking River Cruises gearbeitet. Das war für mich leicht unangenehm, irgendwo aber auch amüsant. Ich wurde von den Gästen und Mitarbeitern gemieden, da ich größtenteils mit dem Kapitän und anderen Vorgesetzten gesprochen habe, vermutlich dachte man ich wäre jemand „Wichtiges“. So habe ich leider fast immer alleine gesessen.

Q: Worauf kommt es im Tourismusbereich besonders an?

A: Beruflich gesehen? Definitiv darauf, dass man viele Connections hat. Durch die Stelle im Außendienst bin ich viel unterwegs und komme auch mit entsprechend wichtigen Personen ins Gespräch. Je besser man sich kennt, desto vorteilhafter kann sich das für einen selbst entwickeln. Mein Vorgesetzter aus dem alten Betrieb ist beispielsweise auch jetzt im neuen Betrieb mein Chef geworden.  Man trifft sich immer mehr als zweimal in der Tourismusbranche.

Q: Was würden Sie einem angehenden Tourismusstudenten mit auf den Weg geben?

A: Es ist ein super abwechslungsreiches und zukunftssicheres Berufsgebiet, was eine Menge Spaß machen kann, wenn das Interesse auch vorhanden ist. Nicht nur selber gerne Reisen…das ist ein Ammenmärchen. Aber man muss sich schon sehr gerne mit Reisen beschäftigen und das Produkt Urlaub als das betrachten was es ist. Eine pure positive Emotion.
Gerade im Tourismus sollte man aber nicht unbedingt sesshaft sein. Man muss sich darauf einlassen, seinen Wohnort zu wechseln, wenn man weiter kommen will.

Kommende Woche erwarten uns unter Anderem noch Vertreter von Center Parcs & vom Geopark Daun.

Text: Daniel Spitzer/Corinna Mehl/Stefan Heimerl
Foto: Evelin Mirau

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