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„… und es wird für uns sehr schwer und schmerzhaft werden, wenn es gilt, davon wieder loszukommen.“ Das sagte Udo Becker, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Euskirchen, der am Freitag, den 04.03.2016, ins Berufskolleg Eifel kam, um zu den Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe 13 des Wirtschaftsgymnasiums im Rahmen eines ebenso verständlichen wie anschaulichen und an vielen Stellen auch emotionalen Vortrages über die Folgen der Niedrigzinspolitik für die Banken und ihre Kunden zu sprechen.

 

Udo Becker trägt vor

Die Ausführungen des Sparkassenchefs knüpften inhaltlich an den Vortrag von Daniel Land an, der als Vertreter der Deutschen Bundesbank im November des letzten Jahres im Berufskolleg Eifel zu Besuch war und den Schülerinnen und Schülern des Wirtschaftsgymnasiums die Grundlagen und die strategischen Ziele der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) genauer erläuterte. Herr Becker von der Sparkasse Euskirchen beleuchtete nun diese Zinspolitik von einer anderen Seite und zeigte die negativen Auswirkungen auf, die sich für die Volkswirtschaft im Allgemeinen und für das Bankenwesen im Besonderen ergeben. Zu den negativen Folgen gehöre beispielsweise, so Herr Becker, dass der Zins seine Warnfunktion verliere. Risiken würden nicht mehr angezeigt, und die Wirtschaftssubjekte neigten verstärkt zu leichtfertigem Handeln, zumal durch die niedrigen Zinsen der Anreiz zur Verschuldung gestiegen sei. Das beträfe nicht nur die öffentlichen Haushalte (z. B. die Kommunen), sondern ebenso auch die privaten Haushalte und die Unternehmen.

Der niedrige Zins wirke wie eine Droge, doch der Weg aus der Abhängigkeit gestalte sich sehr schwierig. Je länger die Niedrigzinsphase andauere, desto mühsamer und schmerzhafter werde der Umkehrprozess, prognostizierte Herr Becker den Schülerinnen und Schülern. Verstärkt würde das Problem dadurch, dass, bedingt durch die EZB-Politik des „billigen Geldes“, für die Akteure die Motivation fehle, die notwendigen Strukturreformen und Anpassungen durchzuführen. Wenn die Zinsen dann in der Zukunft aber wieder steigen würden, dann wäre das Ansteigen der Zinslasten nicht anders zu bewältigen als durch die Erhöhung von Steuern und Abgaben sowie durch die Kürzung staatlicher Leistungen.

Herr Becker wird begrüßt

Die Niedrigzinspolitik der EZB richte nicht nur Schaden in der Zukunft an, sondern auch schon in der Gegenwart. An dieser Stelle des Vortrags merkte man dem Sparkassenchef deutlich seine Verärgerung über die geldpolitische Strategie der EZB und seine Sorgen wegen der negativen Konsequenzen für den Bankensektor an. Niedrige Zinsen seien ja nicht nur ein großes Problem für Sparer, die etwa Vermögensreserven für das Alter ansparen wollten, sondern auch für das Finanzwesen insgesamt. Das Geschäftsmodell von Bausparkassen und Lebensversicherungen beispielsweise stünde sehr stark unter Druck. Wenn die Banken ihre Möglichkeiten beim Kostenmanagement ausgeschöpft hätten und keine weiteren Personal- oder Sachkosten mehr eingespart werden könnten, um weiterhin rentabel wirtschaften zu können, dann sei in Deutschland ein großes Bankensterben nicht mehr aufzuhalten. Weniger Konkurrenz bedeute für die Kunden aber geringere Qualität und zugleich höhere Preise.

Das Fazit des Vorstandschefs der Sparkasse Euskirchen: Langfristig seien steigende Zinsen zwingend notwendig, vor allem in Interesse einer gesunden und auf Wohlstand ausgerichteten Volkswirtschaft.

 

Text/Fotos: Udo Franken/Jochen Engels

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