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Je mehr der stationäre Einzelhandel durch den Online-Handel unter Druck gerät, umso wichtiger werden das Verkaufserlebnis und eine Beratung, die sich an den Wünschen und Bedürfnissen der Kunden orientiert. „Das unterscheidet uns von den Mitbewerbern“, erklärte Petra Kasischke vom Globetrotter in der Kölner Innenstadt.

Am 8. und 22. Mai 2019 hatten Auszubildende im ersten Ausbildungsjahr des Bildungsganges Einzelhandel am Berufskolleg Eifel die Gelegenheit, sich vor Ort anzusehen, welche Möglichkeiten das Erlebnisshopping bietet und wie Multi-Channel-Konzepte im Einzelhandel umgesetzt werden.

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„Mit den Schaufenstern wollen wir bereits die Träume des Kunden ansprechen. Dann findet er hier alles für die Traumreise, wann und wohin sie auch immer gehen mag“, erklärte die Ausbilderin. Für den Trip in jeden Winkel der Erde bietet das Unternehmen auf über 7.000 Quadratmetern alles, was Globetrotter brauchen. Wer will, kann mit einem persönlichen Berater alles zusammenstellen und natürlich ausprobieren: Auf einer Wasserfläche im Keller können Kanus und Boote getestet werden, die Schuhe für den Trip kann man auf unterschiedlichem Untergrund ausprobieren und dabei gleichzeitig einen mit Gewicht gepackten Trekkingrucksack auf den Schultern tragen. Die Kältekammer, in der man testen konnte, wie lange Jacken und Schlafsäcke warmhalten, hat das Unternehmen inzwischen aus Kostengründen und im Sinne der Energieeffizienz abgebaut. Auch die Kletterausrüstung testen Kunden an der Kletterwand vor Ort, ehe sie sich für Schuhe und Beckengurt entscheiden.

Regelmäßige Lesungen und Reiseberichte zu fernen Orten bieten den Kunden einen Zusatznutzen und wecken gleichzeitig Lust aufs Reisen.

Um eher verkaufsschwache Bereiche wie Ladenecken oder Bereiche auf der linken Seite aufzuwerten, gibt es kleine Attraktionen. So kann man in der Kinderabteilung Zierfische in einem großen Aquarium beobachten, eine Attraktion, die bei den Kindern beliebt ist und dann auch die Eltern in die entlegeneren Winkel des Geschäftes lockt.

Und sollte etwas nicht vor Ort vorhanden sein, kann der Kunde im Laden direkt auf den Online-Shop oder die Lager anderer Niederlassungen zugreifen und sich die Artikel nach Hause oder auch in die nächste Filiale schicken lassen. Ein Konzept das aufzugehen scheint. „In diesem Jahr werden zwei weitere Standorte eröffnet“, erklärte Kasischke den aufmerksamen Schülerinnen und Schülern, die sichtbar fasziniert von dieser Art des Handels waren.

Neben dem Aufbau von Erlebniswelten machten sich die angehenden Einzelhändler auch noch mit neuen Geschäftsideen vertraut, die einer immer kritischer werdenden, alternativen Käuferklientel entgegenkommen.

In Sülz statteten sie dem Unverpackt-Laden „Tante Olga“ einen Besuch ab. Was ursprünglich als Idee von einigen Enthusiasten entstand, hat sich auf der Berrenrather seit rund zwei Jahren zu einer Institution entwickelt. In der ehemaligen Bäckerei kann man unterschiedlichste Produkte unverpackt kaufen und in mitgebrachte Behälter die Menge abfüllen, die man benötigt. „Das ist unser Beitrag dazu, dass wir mit der Umwelt besser umgehen, so dass die nächsten Generationen auch noch etwas davon haben“, erklärte Dinah, die gerade von einer kleinen Rösterei Kaffee im großen Mehrwegbehälter geholt hatte.

Auch der Laden „The good food“ auf der Venloer Straße, hat sich in der Bevölkerung etabliert. Hier trägt noch mehr der Aktionsgedanke, wenn auch die Geschäftsidee so viel abwirft, dass die Laden- und Lagermiete, der Transport der Waren und eine Stelle sowie meist ein leichter Gewinn erwirtschaftet werden. Die Idee: Es wird gezielt Überproduktion von Herstellern abgeholt, die, da das Mindesthaltbarkeitsdatum kurz vor Ablauf ist, nur noch auf Kosten von „The good food“ nach Köln transportiert werden muss. Auch Gemüse, das nicht der Norm entspricht und auf dem Acker liegen bleibt, wird eingesammelt und im Laden angeboten. „Unser Ziel ist es, Lebensmittel zu retten“, sagt Kristine. Daher darf man auch zahlen, was einem die Lebensmittel noch wert sind.

Autor: Bernadette Scheurer

Foto: Bernadette Scheurer

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